Nach meinem leider viel zu kurzen Deutschlandtrip bin ich wieder wohlbehalten zurueck in China.
Es ist heiss. Knapp 40 Grad im Schatten, dazu die uebliche Luftfeuchtigkeit von 80 bis 90 Prozent. Da freut man sich, dass man dieses schoene Wetter auch zu Hause in der Wohnung geniessen kann, weil die Klimaanlage natuerlich just an diesem Tage den Geist aufgeben muss. Aber gut, so spart man Strom und fuegt sich vorbildlich in das neue China, das umweltbewusste China, ein.
Ja, grosse Revolution: Plastiktueten kann man hier jetzt mehrfach verwenden. Nachdem das Land zuletzt 3 Milliarden Plastiktueten taeglich verbraucht hat, muss man fuer diese im Supermarkt jetzt umgerechnet 1 Cent zahlen und so bringen alle Einkaufenden ihre Tueten jetzt selber mit. Super Idee! Warum sind wir da noch nicht draufgekommen!?
Was hat sich sonst noch geaendert, seitdem ich Shanghai voruebergehend verlassen habe? Am Flughafen durchschnueffelt jetzt ein 1A-Schnueffelhund das Gepaeck nach Lebensmitteln, die man neuerdings nicht einfuehren soll. Auf Kaese, Koelsch und Hundefutter (!), das ich fuer Ivy's Collie mitgebracht hatte, ist er jedoch (noch) nicht trainiert.
Apropos Koelsch. So langsam aber sicher greifen wir nach der getraenkischen Weltherrschaft. Bei Carrefour gibt es jetzt 5-Liter-Faesschen Reissdorf Koelsch fuer umgerechnet 17 Euro.
Sonst gibt es keine anderen weltbewegenden Neuigkeiten zu vermelden. Meine Wohnung ist immer noch nicht eingerichtet. Aber ich habe mir festvorgenommen, am Samstag zu IKEA zu fahren. Und ein Fahrrad werde ich mir dann auch endlich kaufen. Ja, nach sechs Monaten wird es langsam Zeit, heimisch zu werden.
Zum Schluss noch zwei Bilder aus meiner Wohnung raus. Ein Mal der Blick aus dem Schlafzimmer (auf Park, Suzhou River und Haeuser), ein Mal aus dem Wohnzimmer.
So, nach sechs Wochen mal wieder ein Update. Es ist viel passiert, daher das wichtigste in relativer Kuerze.
Im Grunde genommen war die Zeit von einem Projekt bestimmt: dem China Launch des neuen MINI Clubmans. Hierfuer haben wir saemtliche filmischen Parts beigesteuert, was wie folgt aussah:
Es gab insgesamt vier MINI-Events in drei verschiedenen Staedten, wofuer jeweils ein spezifischer Film von uns produziert wurde. Und zwar eine Art Stadtrundfahrt mit dem neuen MINI, was vermeintlich live waehrend des Events passiert und auf riesigen Leinwaenden uebertragen wird bis der Wagen dann tatsaechlich unter Blitzlichtgewitter in der jeweiligen Location auftaucht. Verstanden? Gut.
Wir sind also jeweils am Tag vorher in die Stadt und haben dann abends gedreht, nachts geschnitten und am folgenden Tag den fertigen Film abgeliefert, damit der vor den geladenen Gaesten gezeigt werden kann. Das klingt nicht nur nach unheimlich viel Stress und vielen durchgemachten Naechten. Das war auch genau so.
Als erstes ging es Anfang April nach Shenzhen. Das ist die Sonderwirtschaftszone auf dem chinesischen Festland gegenueber von Hongkong. Laut Lonley Planet ist Shenzhen die reichste Stadt Chinas, und was vor gut 20 Jahren noch ein kleines Fischerdorf war zaehlt heute knapp 12 Millionen Einwohner. Ein nicht unbetraechtlicher Teil der Bevoelkerung sind Prostituierte und unsere Hotelzimmer waren zwar nicht mit einer Minibar ausgestattet, dafuer lagen aber drei verschiedene Sorten Kondome bereit, unter anderem eine batteriebetriebene Variante. Ja, viel mehr hat Shenzhen auch nicht zu bieten, ausser vielleicht noch dem Happy Valley. Nein, das ist keine Ansammlung von Bordellen, sondern ein Park, in dem beruehmte Bauwerke wie Golden Gate Bridge, Eiffelturm und Louvre nachgebildet sind. Insofern waren wir auch nicht allzu traurig als es 2 Tage spaeter bereits zurueck nach Shanghai ging. Dort fand dann auch das zweite Event statt. D.h. diesmal kein Flug mit drei schweren Rechnern und Kamera-Equipment im Gepaeck, sondern quasi ein Heimspiel.
Wiederum eine Woche spaeter ging es nach Peking. Hach, das war schoen. Da kamen direkt Heimatgefuehle hoch. Habe dann auch in meiner einzigen kleinen Pause die Zeit genutzt meine Ex-Kollegen beim Stern zu besuchen, was ganz nett war. Abends wurde wieder gedreht. Gott sei Dank hat sich keiner daran gestoert, dass ich die ganze Zeit ueber Funk unseren Kameramann instruiert habe, dies und das zu “shooten”. Nachts wurde wieder geschnitten, am naechsten Tag das MINI Event und wiederum einen Tag spaeter ging es auch bereits weiter mit dem naechsten Projekt: der Global Launch des neuen Porsche Cayenne Turbo S auf der Auto China, der chinesischen Automesse bzw. dem Copy Shop wie der SPIEGEL titelte. Auch hier haben wir die Videos beigesteuert. Hier ein paar Fotos.
Weiter geht’s im Eiltempo. Es folgte zunaechst eine Verschnaufpause von MINI. Jetzt stand erstmal die Deutsche Woche in Chongqing auf dem Programm. Dort praesentierte sich die deutsche Wirtschaft der chinesischen Oeffentlichkeit. Zwar gab es auch ein Rahmenprogramm bestehend aus deutschem Biergarten sponsored bei Hofbraeu, vielen deutschen Bands (u.a. Mia, Deichkind, Deine Lakaien, Stereo Total), aber wir waren in erster Linie der beiden Pavillions zum Thema Staedteplanung wegen gekommen. Diese samt der untergebrachten Ausstellung dortwurden naemlich von uns konzipiert und produziert. Mein Team hatte dabei die Aufgabe einen sechsminuetigen Film ueber “Sustainability” (Nachhaltigkeit) fuer das dort ebenfalls untergebrachte Kino zu produzieren.
Wir hatten gut zwei Wochen Zeit ehe wir an einem Montag dann nach Chongqing geflogen sind. Wie immer hatte der Flug reichlich Verspaetung und so kamen wir um 2 Uhr morgens im Hotel an. Dort hatte ich aber keine Minute Zeit den Blick von meinem Zimmer auf Fussballstadion (siehe Chongqing Gallerie) zu geniessen, denn ich sollte zusammen mit meinem Chef noch einen Sonnenaufgang filmen gehen. Also haben wir schoen von 2 Uhr morgens bis 5 Uhr morgens nach einer geeigneten Stelle gesucht. Immer schoen im iPhone meines Chefs GoogleMaps gecheckt (hat mich derart fasziniert, das ich mir mittlerweile auch so ein teil zugelegt habe) und dann auf einer Bruecke den geeigneten Platz gefunden. Dort haben wir dann mit einer digitalen Spiegelreflex Kamera alle 10 Sekunden ein Foto geschossen, so dass wir um 8 Uhr morgens bereits fertig waren.
Es hat sich aber gelohnt. Sowohl Ausstellung als auch Film wurden sehr gut aufgenommen. Obwohl das natuerlich schon sehr bald nur noch zweitrangig war. Ich hatte ja noch Glueck, weil ich gerade wieder in Shanghai war als sich das Erdbeben ereignete, aber ein paar meiner Kollegen waren immer noch vor Ort und mussten daher den Horror live miterleben. Wobei es Chongqing noch verhaeltnismaessig mild getroffen hat. In Shanghai sol les angeblich auch gewackelt haben, aber ich zumindest habe davon nichts mitbekommen. Naja, man kann nur hoffen, dass die Hilfsmassnahmen in Sichuan greifen und sich die Katastrophe nic ht allzu sehr auf die Zeit nach dem Beben ausbreitet. Aber es scheint, dass die Chinesen da sehr schnell geschaltet haben und ein gutes Krisen-Management durchfuehren.
Gestern hatten wir einen letzten Dreh fuer MINI. Wir haben als Kamerateam eine Art Schnitzeljagd mit 5 MINIs durch Shanghai begleitet, was ganz lustig war. Habe auch hier ein paar Fotos gemacht.
So, jetzt seid ihr halbwegs auf dem neusten Stand. Hier ist es wieder spaet und mein kurzes Wochenende ist auch vorbei…
Oh Mann, heute mittag habe ich noch Witze darueber gemacht und jetzt lese ich erst ueber die Ausmasse des Erdbebens und dass es auch in Chongqing Tote und Verletzte gegeben hat. Genau da war ich bis vorgestern noch und bin nur deswegen schon wieder in Shanghai, weil wir hier kurzfristig einen Auftrag erhalten haben. Scheisse... Meinen Kollegen, die immer noch vor Ort sind, geht es Gott sei Dank gut, auch wenn sie natuerlich maechtig unter Schock stehen.
In Shanghai haben wir jedoch gar nichts von dem Beben mitbekommen. Habe zwar gerade in den deutschen Medien gelesen, dass sie hier den Jinmao Tower evakuiert haben, aber bei uns im Buero war absolut nichts zu spueren.
Mein Name ist Klaus und ich kann kein ae, oe und ue. Und kein sz.
Was ist passiert? Gestern hatten wir einen schweizer Kunden im Buero, der nicht nur staendig vor lauter Begeisterung “Das ischt ja Feeerrrien!” von sich gab, sondern sich auch offensichtlich nicht meinen Namen merken konnte. Trotzdem sprach er mich immer voellig ungeniert direkt mit Namen an. Und so wurde aus Yannick erst Jan, dann Anton, dann Nikolaus und schliesslich nur noch Klaus.
Ausserdem habe ich einen neuen Computer. Mein Chef hat mir Anfang der Woche ein wunderbar hippes MacBook Pro ueberreicht, um das mich alle Kollegen beneiden. Ja, ich habe ein neues Lieblingsspielzeug. Und find Mac jetzt natuerlich auch “voll cool”. Jedenfalls verfuegt mein neues Arbeitsgeraet (Nein, ein Mac ist natuerlich viel mehr. Das ist ein Lebensgefuehl., eine Philosophie. Das ist die Eintrittskarte in die Welt der elitaer alternativen Starbucks-Mobile-Office-Sekte.) ueber kein ae, oe, ue und sz. Sondern nur a-e, o-e und u-e. Ihr wisst, was ich meine…
Ja, lang ist’s her seit dem letzten Eintrag. Und viel ist passiert. Groesstenteils jedoch im Buero, weswegen ich schlichtweg keine Zeit gefunden habe, diesen Blog mal wieder zu fuettern. Falls es euch troestet, ich habe meine Freizeit, Freundin und sogar den FC (sind wir schon aufgestiegen?) in den letzten Wochen genauso vernachlaessigt und so konzentriert sich dieser Beitrag auf meinen Trip nach Hong Kong, wo ich das Business wenigstens mit ein bisschen Vergnuegen verbinden konnte.
Letzten Mittwoch ging’s los. Ich durfte schoenerweise mit der westlichen Billig-Airline Dragon Air fliegen, wodurch ich meine Phobie vor chineischen Airlines nochmals umgehen konnte. Nachts dann in Hong Kong gelandet, und dann direkt gemerkt, dass Hong Kong mitnichten gleich China ist. Seit 1997 gehoert Hong Kong zwar offiziell zu China, aber ausser dem Aussehen der Einwohner gibt es kaum weitere Gemeinsamkeiten. Das hat wenige Nachteile und viele Vorteile.
Nachteil: Meine chinesische Bankkarte funktionierte an der ATM nicht, mein chinesischen Geld war ob der nach wie vor unterschiedlichen Waehrung nicht sehr hilfreich. Mit der guten alten Sparkassen-Karte ging’s dann.
Vorteile: Die Menschen sind hoeflich und zuvorkommend, alles laeuft sehr geordnet, die Leute denken mit und es ist trozt aehnlicher Menschenmassen auf engem Raum trotzdem recht stressfrei.
Man merkt halt doch, dass Hong Kong lange Zeit brittisch war. Zumindest was Hong Kong Island angeht, fuehlt man sich auch fast schon mehr in Europa, denn in Asien. Aber auch die Gemeinsamkeiten mit der englischen Krone haben gute und schlechte Seiten. Es gibt ja neben der grossen Mehrheit der Asiaten auch noch ein paar Auslaender, vielfach Briten...
Vorteil: Miniroecke ungeachtet der Wetterbedingungen.
Nachteil: Miniroecke ungeachtet der Wetterbedingungen.
Wobei bei den Asiatinnen ist das meist (nicht immer) weniger problematisch, weil die ja von Natur aus schlanker gebaut sind und so gesehen eine Asiatin vom Unfang in etwa einem englischen Bein (Referenz: Dover, Fussgaengerzone) entspricht.
So, jetzt soll ich wahrscheinlich mal was wirklich interessantes schreiben… Wo waren wir? Mittwoch, Hong Kong, Landung… Also, danach ging es im gemuetlichsten Taxi der Welt (uralt aussehender roter Toyota, allerdings dann doch Baujahr im aktuellen Jahrtausend, etwa 1 Meter Beinfreiheit und natuerlich Fahrer auf derf rechten Seite) zum Hotel. 2 Uhr morgens, ich hundemuede, will nur noch schnell einchecken und ins Bett fallen… Doch leider hatte man mein Zimmer irgendwie doppelt belegt. Naja, wenigstens sprach die gute Frau an der Rezeption Englisch (das ist in China selbst in guten Hotels nicht die Regel) und so konnte das ganze noch geklaert werden: meine Buchung wurde upgegraded und ich durfte die Nacht in einer schoenen Suite verbringen.
Am naechsten Tag schnell das geschaeftliche erledigt, ein wenig durch Hong Kong Island gelatscht und dann wieder zum Flughafen, wo ich Ivy abholen musste. Hatte mir naemlich den Freitag frei genommen, damit wir noch ein gemeinsames und verlaengertes Wochenende in Hong Kong verbringen koennen. Hong Kong hat zwar im Gegensatz zu Shanghai keinen Transrapid, der einen vom Flughafen ausserhalb der Stadt zu einer U-bahn-Station (sinnigerweise ebenfalls ausserhalb der eigentlichen Stadt) bringt. Dafuer gibt es aber den Airport-Express, der innerhalb von 30 Minuten vom Stadtzentrum zum Flughafen rauscht. Ueberhaupt ist das oeffentliche Nahverkehr-System in Hong Kong absolut top.
Ivy’s Flug hatte dann - wie immer bei ihr - 4 Stunden Verspaetung, worauf das Abendprogramm ins Wasser gefallen ist. Musste also erst am Freitag den ganzen Tag hinter ihr herlaufen und zig Shopping-Tueten tragen… Naja, wenigstens ist Kowloon (das heisst so viel wie “busy corner” und ist der groesste und dann doch eher chinesische Stadtteil auf dem Festland von Hong Kong) auch ohne Shopping-Sucht eine tolle Erfahrung. Waeren da nicht die schweren Tueten gewesen, ich haette glatt meinen Spass gehabt. Im Ernst, eigentlich ist Kowloon so wie man sich eine chinesische Stadt eigentlich vorstellen wuerde (und wie sie es dann meistens so ueberhaupt nicht ist). Alte Haeuser, ueberall kleine Shops, kleine Restaurants und Garkuechen, Leuchtreklamen, Menschenmassen… Und das Leben hier spielt sich auf den Strassen ab. Haben uns dann in einer Garkueche ein paar frittierte Tintenfisch-Arme/Beine/Ringe geholt, dazu einen Milchtee (ja, ich trinke neuerdings Tee) mit so komischen Jelly Beans drin und es uns dann an der Uferpromenade mit Blick auf Hong Kong Island gemuetlich gemacht. Die Luft… Herrlich! Voellig ungewohnt. Man sieht sie nicht, aber man fuehlt sie. Sie ist so… frisch!!!
Als es dunkel wurde, bot sich ein sagenhafter Blick auf die Skyline der gegenueberliegenden Insel. Ich war so aufgeregt, dass ich mit einer ploetzlich auftretenden Blasenentzuendung die naechsten Stunden auf einer oeffentlichen Toilette verbringen musste. Oh Mann, das ist ein Gefuehl, das ich meinen Feinden nicht wuensche.
Am naechsten Tag ging es Gott sei Dank wieder und so sind wir erneut nach Kowloon, wo wir bei stroemendem Regen zunaechst auf einem schoenen Markt waren. Dann Mittagspause in einem Imbiss, um dort Wontons (so eine Art runde Maultaschen, die vorzugsweise in Sued-China konsumiert werden) und das in Hong Kong beliebte BBQ Pork zu probieren (beides sehr lecker!). Danach ging’s zum Pier, wo die beruehmte Star Ferry, die Faehre zwischen Kowloon und Hong Kong Island, verkehrt. Bevor wir jedoch zum anderen Ufer uebersetzten, ging’s erstmal ueber die Avenue of Stars, das asiatische Pendant zum Hollywood Boulevard mit seinen Sternen. Ausser Bruce Lee und Jackie Chan kannte ich jedoch keine der dort verewigten Beruehmtheiten. Witzig war nur, dass die Sterne der in den aktuellen chinesischen Porno-Skandal verwickelten SchauspielerInnen am meisten frequentiert wurden.
Bei erneut einbrechender Dunkelheit bin ich dann diesmal ohne Blasenentzuendung doch noch zu meinen Skyline-Fotos gekommen. Mit der Star Ferry ging es anschliessend nach Hong Kong Island, was bei Nacht echt sehr beeinduckend ist. Insbesondere der Victoria Peak, von dem man einen wirklich unglaublichen Blick auf das naechtliche Hong Kong hat, ist ein absolutes Muss.
Sonntag haben wir dann versucht, in die Chanel-Ausstellung von Zaha Hadid reinzukommen, wofuer es leider keine Karten mehr gab. Also sind wir stattdessen nochmals einkaufen gegangen. Habe mir ein paar neue Adidas Samba und eine Adidas Jacke fuer zusammen 50 Euro geholt. Original versteht sich. Ivy musste waehrenddessen einen zweiten Koffer kaufen, um ihre ganzen Kosmetik-Produkte (“It’s sooooooooooo cheap here!”) und Bestellungen ihrer Familie und Arbeitskollegen transportieren zu koennen.
Abends ging es dann mal wieder zum Flughafen. Nach dem Check-In wurde uns mitgeteilt, dass der Flug moeglicherweise gecancelt wird. Nach vier Stunden durften wir dann doch ins Flugzeug. Ich verstehe nicht, warum ich die Stewardess nach den Gruenden der Verspaetung fragen musste. Was ich aber noch viel weniger verstehe, warum die Frau so ehrlich ist und mir erzaehlt, dass es ernsthafte Problem emit den Triebwerken gab… Ich hatte meine Flugangst zuletzt echt gut im Griff. Aber der Rueckflug war erneut eine einzige Paranoia.
Naja, offensichtlich hab ich’s ueberlebt. Und so konnte ich mich wenige Stunden nach der verspaeteten Landung wieder in mein Buero bzw. den Workaholismus begeben. Da sitz ich nun, ich armer Tor, und stelle mir ein Wochenende vor. Ja, heute ist Samstag und ich befinde mich seit 10 Uhr morgens im Buero, nachdem ich gestern um 3 Uhr nach Hause bin, vorgestern um 5 Uhr, und davor jeweils um 2 Uhr. Hab ich schon gesagt, dass ich meinen Job liebe?!
So, ich bin durch. Am Ende. Finito.
Bis bald!
Euer Yannick
P.S.: Das Bild oben ist uebrigens ein Link zu einer Gallerie voll mit weiteren Fotos aus Hong Kong. wenn ihr zu faul zum scrollen seid, koennte ihr aber auch einfach hier clicken: Klick mich!
Bevor es an dieser Stelle Neuigkeiten von meiner Wenigkeit gibt, zunaechst einmal ein Kino-Tipp:
Am 20.3.2008 ist "Die Oesterreichische Methode" in den deutschen Kinos angelaufen. Am 27.3., also Morgen, ist der Film auch in Koeln zu sehen und zwar in der Filmpalette.
Warum ihr den Film mit dem Praedikat "besonders wertvoll" im Kino sehen muesst? Weil ich drei wertvolle Monate meines Lebens bzw. drei noch wertvollere Monate meiner teuren Studienzeit in diesen Film investiert habe. Wenn euch der Film also gefallen sollte, dann liegt das an der unheimlich guten Aufnahmeleitung bzw. den Kollegen von der Heimleitung (Insider).
So, hier noch ein Link zu einer objektiveren Kritik vom Bayrischen Rundfunk und darunter der Trailer:
Es ist ein wunderschöner Sonntag: Nachdem es über eine Woche lang beinahe pausenlos geschneit hat und dabei arschkalt war, scheint heute erstmals die Sonne von einem wunderbar blauen Himmel. Ich genieße das Panorama - von meinem Schreibtisch im Büro aus… Ja, ich arbeite (zumindest vor und nach der Mittagspause). Denn in China gibt es ja die Reglung, dass vor den nahenden (chinesischen) Neujahrsferien, das Wochenende durchgearbeitet wird. Wieder so eine geniale chinesische Idee. Genauso wie der offizielle Beschluss, dass Shanghai zu südlich liegen würde, als dass man hier Heizungen bräuchte… Folglich gibt es in Shanghai keine Heizungen, aber – ihr erfahrt es in den Medien – dafür gibt es hier momentan einen Winter, so wie ich ihn in Deutschland kaum erlebt habe.
Der letzte Eintrag liegt schon länger zurück, deswegen beschränke ich mich auf ein paar kurze Anekdoten und Eindrücke, die mir in den letzten Wochen widerfahren sind bzw. die ich gewinnen konnte.
Als erstes wäre da natürlich die Wohnungssuche. Da sollten Vox oder RTL mal ein Doku-Soap-Format draus machen: „How to find home sweet home in China“… Das hätte einen sehr hohen Unterhaltungswert. Zumindest für die Zuschauer. Ich habe bislang etwa 20 Wohnungen besichtigt, nicht weit unter dem deutschen Preisniveau, zwischen 60 und 100 m². Und jedes dieser Apartments war auf seine Art ein Schocker. Ein Makler wollte mir einen Rohbau schmackhaft machen, indem er meinte, dass ich doch so vielmehr meine persönlichen Ausstattungswünsche ausleben könnte. Eine andere Vermieterin wollte mir partout nicht gestatten, den in der Wohnung bislang fehlenden Kühlschrank (selbst auf eigene Rechnung) nachzurüsten. Das würde schließlich das wohldurchdachte Design der Wohnung zerstören. Außerdem erzählte sie mir noch von einem fetten Amerikaner, der die Wohnung nicht nehmen durfte, weil der das Sofa ja völlig durchgesessen hätte. Wiederum ein anderer Vermieter schlug erschrocken die Tür zu, als er mich erblickte und ließ durch die verschlossene Tür verlauten, dass er keine Ausländer in seiner Wohnung will. [Naja, vielleicht nicht schlecht, solch eine (zum Glück) bislang ungewohnte Erfahrung auch mal selbst zu erleben.] Dann gab es da noch eine Eigentümerin, die mir liebend gerne ihre eigentlich bereits vermietete Wohnung überlassen wollte. Die aktuellen chinesischen Mieter hätte sie einfach vor die Tür gesetzt. Umgekehrt hieß es bei einer Wohnung, dass ich im Sommer zwischenzeitlich ausziehen müsste, weil dann der Sohnemann zu Besuch in Shanghai wäre… Ich könnte endlos weitermachen.
Mach ich aber nicht. Stattdessen erzähle ich lieber von den öffentlichen Verkehrsmitteln. In Shanghai ein Taxi zu bekommen, ist schier unmöglich. Ich habe wahrscheinlich insgesamt schon einen halben Tag darauf verschwendet, auf solch ein Taxi zu warten. Ich kann dieses Problem jedoch natürlich nicht exklusiv für mich beanspruchen. D.h. wenn denn mal ein freies Taxi am Horizont auftaucht, dann entstehen oft tumultartige Szenen. Es regiert das Recht der Straße, das Recht des Stärkeren. Letzterer dürfte meist ich sein, aber ich bin für diese Stadt einfach zu nett, höflich und zuvorkommend. Gleiches in der U-Bahn: Bevor man überhaupt den Versuch starten kann, auszusteigen, wird man schon von den einsteigenden chinesischen Massen zurück ins Abteil gedrängt, denn alle wollen sie ihn, den einzig freien Sitzplatz. C'est la vie, andere Länder, andere Sitten. Ich habe es zwar akzeptiert, aber ich habe es zu meiner Aufgabe gemacht, beim Aussteigen möglichst vielen dieser Rüpel meine Ellenbogen in den Körper zu rammen, um diese mit dunkelblauen Flecken - wenn auch nicht sichtbar - zu brandmarken.
Zurück zu den Taxis. Wenn man denn mal eines erwischt hat, dann wird's meistens lustig. Mal hat man als Fahrer den Typ "Deutschland-Fan", der einem von seiner Begeisterung für Mozart, Platini und anderen deutschen Berühmheiten berichtet. Oder aber den talentfreien, aber leidenschaftlichen Sänger, der einen enthusiastisch zum Mitsingen auffordert. Oder aber der Fahrer setzt den Wagen aus unerfindlichen Gründen (weil auf vollkommen leerer Straße) gegen den Bordstein, worauf die Alarmanlage losgeht und sich nicht mehr stoppen lässt, worauf man dann eben mit permanentem und nervigem "tüt, tüt, tüt..." die 30 Minuten zum Büro durch Shanghais Straßen cruist.
Beim Aussteigen hat mir dann letztens eine uralte und verrunzelte Oma auf den Schuh gerotzt. Ich glaub, ich bin für die sich in Zeitlupe bewegende Greisin einfach zu schnell und unvorhergesehen aus dem Auto gestiegen, als dass sie ihren lang vorbereiteten Auswurf noch stoppen konnte. Anschließend startete die Gute aber eine Charme-Offensive und zeigte mir ihr schönstes zahnloses Lächeln...
Eine weitere kleine Anekdote ereignete sich im Korean BBQ Restaurant. Am Tisch neben uns saßen vier sternhagelvolle Chinesen, die irgendwann unbedingt mit mir anstoßen wollten. Versuch Nr.1 ging schief, denn der betrunkenste verfehlte seinen Mund knapp und kippte stattdessen das komplette Glas Hochprozentigen auf Ivys Handy. Beim zweiten Versuch landete wenigstens ein bisschen in seinem Rachen. Genug, um mir danach seine Liebe zu Deutschland zu offenbaren: "De guo fei chang hao!" Nur Frau Merkel, die sei schlecht, wegen dem Dalai Llama und so... Zur Bestätigung kippte er sich noch ein Gläschen übers Gesicht, schloß die Augen und knallte mit seinem Kopf auf den glühendheißen Tischgrill vor ihm. Nun muss ich eine Behauptung revidieren, die ich in diesem Blog mal vor ein oder zwei Jahren aufgestellt habe: Chinesen können überall schlafen. Falsch! Mit dem Kopf auf einem Tischgrill geht es doch nicht.
Apropos Essen: Letzte Woche war ich mit Ivy mal wieder beim japanischen All-you-can-eat. Diesmal aber auf der Hong Hu Lu, wo sich ein Japanisches Restaurant neben dem anderen befindet. Ein Traum! Zumal auch Getränke inklusive waren. Wir waren den kompletten Abend in dem Laden und hatten am Ende 24 (!) Gerichte auf der Endabrechnung stehen. Die 30 Euro für uns beide sollten sich also rentiert haben.
So, zum Schluss noch kurz zu mir: Mir geht es gut. Bin in Anbetracht des hiesigen Jahrhundertwinters nur leicht erkältet, empfinde den Stress nicht als solchen und habe den Schritt, nach Shanghai zu gehen, noch in keiner Sekunde bereut. Wenn Ihr mehr wissen wollt, schreibt mir eine Mehl. Freue mich immer über Nachrichten aus Köln. Und natürlich auch aus anderen Teilen Deutschlands und dem Rest der Welt.
Die erste Woche ist vorbei und ich habe Action-reiche Tage hinter mir. Fangen wir mit letztem Donnerstag an:
Der Tag war lang und nachdem ich gegen 22 Uhr das Büro verlassen hatte, beschloss ich, noch in einen Massage Salon zu fahren, um mir etwas Entspannung zu gönnen. Ivy hatte mich eindringlich vor den „pinky ones“ gewarnt, und so erklärte ich dem Taxifahrer, dass er mich bitte zu einem richtig guten und seriösen Laden fahren soll. Gesagt, getan.
Der Zielort machte einen guten Eindruck und so buchte ich eine 30minütige Kopf-Nacken-Massage für umgerechnet 6,80 Euro. Das war auch alles soweit gut, die Masseuse massierte kulanterweise ein paar Minuten länger und neben Kopf und Nacken wurden auch noch meine Arme durchgeknetet. Als ich dann jedoch – vollkommen entspannt – zahlen wollte, hieß es plötzlich 150 RMB (15 Euro). Ja, das wäre die Thai Massage gewesen und die ist nun mal teurer. Eigentlich keine große Sache, aber es war halt etwas anderes vereinbart gewesen und da bin ich dann doch sehr deutsch. Habe mich also standhaft geweigert, die Preiserhöhung zu zahlen. Da sich die Kassiererin jedoch ebenfalls standhaft weigerte, den ursprünglichen Preis zu akzeptieren, wurde es mit jeder Minute unentspannter bis wir uns nur noch am anschreien waren. Irgendwann wurde es mir zu blöd, ich knallte ihr 70 RMB (2 RMB zur Güte) auf die Theke und machte mich Richtung Tür. Sofort verbauten mir zwei kleine Masseusen den Weg und eine dritte verschloss schnell die Tür. Habe mir dann brachial den Weg ins Freie erkämpft, wo glücklicherweise auch direkt ein Taxi stand. Aber nicht zu früh freuen. Die Mädels hatten bereits aufgeholt und hingen jeweils an meinem linken und rechten Arm. Als ich mich dann losriss, fingen sie an, auf mich einzuprügeln und –treten (natürlich mit dem Orginal-Japan-Manga-Ninja-Frau-Kampfgeschrei unterlegt). Das hörte auch nicht auf, als ich es unter größten Anstrengungen ins Taxi geschafft hatte. Dann wurde es allerdings dem Fahrer zu bunt und er stürzte aus seinem Wagen raus, um die kleinen Furien zu stoppen bzw. sein Auto zu beschützen. Als auch noch zwei Securities herbeieilten war das Chaos komplett. Ich war umzingelt von wüst durcheinander schreienden Chinesen. Ich war mir nicht ganz sicher, wer auf welcher Seite war und beschloss dann zähneknirschend besser den überhöhten Preis zu zahlen, als hier meine Gesundheit zu riskieren. Aus den ursprünglich geplanten 30 Minuten After-Work-Entspannung waren 90 Minuten After-Work-Horror geworden.
Freitag folgte dann erneut ein langer Arbeitstag, und auch Samstag rief die Pflicht. War mit meinem Chef im Soundstudio, wo es einen Imagefilm für einen großen deutschen Automobilhersteller zu vertonen galt. Wie schon sämtliche Tage zuvor war das Wetter beschissen und so erwartete uns nach Verlassen des Studios strömender Regen gepaart min einem eisigen Wind. Etwa eine halbe Stunde irrten wir durch die Gegend, ehe wir ein erstes freies Taxi erblickten. Während ich vor das Auto sprang, hechtete mein Chef Richtung rechte Hintertür… Zeitgleich flog ein Australier von der anderen Seite kommend über die Straße und stürzte zur linken Hintertür in das Auto des verdutzten Fahrers. Ich war inzwischen auf dem Beifahrersitz gelandet. Die beiden hinter mir schrieen zeitgleich auf den Fahrer ein, bis das ganze dann in einem kollektiven Lachanfall mündete. Der Australier war gerade seinem Bett entkrochen (um ca. 17 Uhr), hatte nur 30 Sekunden auf das Taxi gewartet und musste eigentlich auch nur ein paar hundert Meter weiter… Dort haben wir ihn dann auch rausgeschmissen und sind dann in den Feierabend gefahren.
Danach war ich dann noch mit Ivy bei Carrefour einkaufen. Wir haben anschließend schön gekocht und beim Essen vor dem Fernseher in den chinesischen Nachrichten von irgend so einem neuen Eisbären-Baby in Deutschland erfahren. Ja, so etwas ist dann auch hier offenbar ein großes Thema.
Gestern habe ich mich dann erstmals auf Wohnungssuche begeben, was etwas frustrierend war. Alles hässlich oder teuer oder beides. Die Wohnungen sind hier zudem sehr komisch geschnitten. Der Flur ist häufig gleichzeitig das Wohnzimmer, das Bad oft nicht mehr als eine geflieste Besenkammer und das Schlafzimmer meist mit einem raumfüllenden Bett zugestellt. Ein deutscher Architekt hat diesen Zustand damit erklärt, dass die Architekten solcher Wohnungen häufig frisch von der Uni kommen und schlichtweg gewohnt sind, zu sechs Mann in einem kleinen Zimmer zu hausen. Da fehlt dann einfach das Gefühl für das Gestalten einer Wohnung für nur eine Person, die sich in ihrem Heim auch wohl fühlen will.
Ich gehe nun ins Bett, denn heute habe ich wieder bis 21 Uhr im Büro gesessen. Jaja, isch sach nur, die Medijen, die Medijen tun misch erledijen.
Der vierte Tag ist angebrochen und ich hatte diese Nacht wieder mal ein Erlebnis, wie es einem wohl nur in China passieren kann. Jedenfalls passieren mir solche abgefahrenen Dinge immer nur in China... Gegen 4:30 Uhr morgens werde ich aus irgendeinem Grund wach, drehe mich zur Tür und blicke erschrockenerweise in die erschrockenen Augen einer Chinesin, die neben meinem Bett steht! Das hat so ein paar Sekunden gedauert und dann ist die Frau auch wieder verschwunden. Ich lag völlig panisch und angewurzelt in meinem Bett, wusste nicht so recht, was ich machen soll. Als ich das Zimmer nach einer halbwegs geeigneten Bewaffnung absuchte und in einer Posterröhre aus massivster Pappe fündig wurde, traute ich mich dann langsam aus dem Zimmer. Ich hörte jedoch nur noch die Wohnungstür zuschlagen. Oh Mann, fragt mich nicht, wer oder was das war. Eine Diebin? Eine Vergewaltigerin auf der Suche nach ausländischem Frischfleisch? Oder ein One Night Stand meines Mitbewohners? Letzteres klingt noch am wahrscheinlichsten. Aber was zum Teufel macht die Frau dann um 4:30 Uhr morgens in meinem Zimmer!!??
Shanghai, sechs Uhr morgens. Ich befinde mich in einem Hotel irgendwo im Stadtteil Huangpu. Nachdem ich nun zwei Stunden erfolglos versucht habe, nochmals einzuschlafen, muss ich mich halt irgendwie anders beschäftigen. Zum Beispiel mit meinem guten alten Blog...
Ich fang mal ganz von vorne an: Freitag, in aller Frühe, ging alles los. Bin mit meiner lieben Mutter nach Düsseldorf gefahren, dort in den Genuss einer Fahrt mit der unglaublichen Schwebebahn am Flughafen gekommen, und dann in den Flieger in Richtung London gestiegen. Dort angekommen habe ich dann in rekordverdächtigen 30 Minuten den Terminal gewechselt, drei Sicherheitschecks über mich ergehen lassen und die restliche Zeit bis zum Anschlussflug in der Wartehalle neben einem in Leinen und Flip Flops gekleideten, Yoga praktizierenden und schlecht Gitarre spielenden Asien-Rucksack-Aussteiger-Rückkehrer mit 90-Tage-Bart verbracht. Ja, so werde ich in ein paar Jahren wahrscheinlich auch am Londoner Flughafen sitzen…
Nachmittags ging es dann endlich weiter: 11 Stunden neben einer slowakischen Schönheit, die ihren Sitz und den freien Platz zwischen uns mit sehr flexibler Körperbeherrschung geschickt zu nutzen wusste. Ja, während sie fast den kompletten Flug in den erstaunlichsten Positionen schlafend verbrachte, quälte ich mich schlaflos durch das Board-Programm: eine 90-minütige Zusammenfassung der Rugby-WM, dazu passend eine Reportage über eine lustige Competition zweier englischer Dörfer, wo beinahe 1000 Dorfbewohner aufeinander einprügeln und versuchen ein kleines Bierfässchen zu erobern, eine lausige Komödie über Ping Pong („Balls of Fury“)… Zwischendurch immer mal wieder richtig schöne Turbulenzen und kurz vor der Landung dann ein typisches englisches Frühstück. Ich weiß nicht, was schlimmer war…
Um 9:30 Uhr Ortszeit (also 2:30 Uhr morgens in der Heimat) bin ich dann endlich in Shanghai angekommen. Der Check-Out ging ziemlich zügig und draußen wartete dann schönerweise Ivy auf mich. Mit 431 km/h ging es im Transrapid weiter ins Stadtzentrum und von dort aus mit dem Taxi ins Hotel.
Ja, das Hotel wusste leider nichts von meiner Reservierung. Da halfen dann auch „confirmation voucher“ und Quittung nichts. Ivy hat das ganze dann irgendwie auf die chinesische Art („nur Bares ist Wahres“) geregelt, denn in einem internationalen Hotel spricht hier natürlich niemand Englisch.
Habe mich tapfer gehalten und trotz knapp 24 schlaflosen Stunden nur einen sehr kurzen Mittagsschlaf gemacht. Danach ordentlich Kaffee, Red Bull und Cola und später dann zu meinem Willkommens-Essen in ein japanisches Restaurant.
Ja, ich weiß: Ich schreibe ständig über’s Essen. Aber es ist halt auch meistens einen Bericht wert. So auch diesmal. Denn für umgerechnet 15 Euro durfte man sich sämtliche Gerichte auf der 10 Seiten umfassenden Speisekarte bestellen. Getränke natürlich auch. Nun war das jedoch kein popeliges Restaurant, sondern eben ein hervorragender Japaner. Und so gab es Sushi, Sashimi, Austern, Jakobsmuscheln und Shrimps bis zum Abwinken. Außerdem habe ich zum ersten Mal in meinem Leben Pferdefleisch gegessen.
Kurzer Einwurf: Pferdefleisch schmeckt eigentlich genauso wie Rindfleisch. So, nun sind Rinder bzw. Kühe ja die eigentlichen Verantwortlichen der nahenden Klimakatastrophe, weil sie ja so viel Methan ausfurzen. Ich weiß zwar nicht, was Pferde so ausfurzen, aber falls das umweltverträglicher sein sollte, dann wäre mein Vorschlag zur Rettung der Erde, weitestgehend auf Pferdefleisch umzustellen. Aber das nur am Rande.
So, in wenigen Minuten öffnet das Frühstück hier, und ich komme mal zum Ende. Nach dem Restaurant ist eh nichts berichtenswertes mehr passiert. Heut Mittag ziehe ich in eine WG um, die für die nächsten Tage meine Bleibe sein wird und nachmittags treffe ich mich mit meinem Chef auf einen Kaffee.
Da mir nur noch 4 Wochen für die Diplomarbeit bleiben und im Büro auch gut Stress angesagt ist, habe ich momentan kaum Zeit für anderes, geschweige denn diesen Blog. Nichtsdestotrotz ein kurzes Update der spärlich gesäten Vorkommnisse der letzten Wochen.
War vorletzte Woche mit Mr.Hu und Cathy, einer ehemaligen Arbeitskollegin, zusammen essen. Waren im Cafe Sambal, einem malayischen Restaurant, das in einem recht runtergekommenen Hutong (verleiht dem ganzen aber einen sehr eigenen Charme) unterbracht ist. War ein netter Abend, und hier auch ein Foto:
Danach hatten wir dann eine Woche Golden Week Holidays, was bedeute, dass ich endlich mit der Diplomarbeit anfangen konnte und dies auch bis zum Arbeitsanfang letzten Montag auch fast komplett durchgezogen haben. Also, leider kaum Zeit zur Erholung. Da das Wetter aber super war und Ivy (aus Shanghai) ein paar Tage in Peking war, bin ich dann zumindest am Wochenende draußen gewesen und hab mir noch mal die Verbotene Stadt bei blauem Himmel (schön), Sonnenschein (sehr schön) und gemeinsam mit einem riesigen Touristenstrom (nicht so schön) angeschaut.
Diese Woche ging dann nach dem Diplomstress der Stress im Büro weiter. Hatten Kollegen aus Deutschland und Singapur zu Gast, mit denen wir dann in zahlreichen Workshops und Meetings die Internet-Strategie für Mercedes-Benz China erarbeitet haben.
Bei all der Arbeit gibt es dann ja abends auch immer noch Programm. So sind wir Donnerstagabend in einem traditionellen Courtyard gewesen. Und zwar war das ein ein paar Jahrhunderte altes Gut, erbaut von einem Offizier 4.Grades des Kaisers von China. Der heutige Besitzer, Enkel einer Prinzessin der Qing-Dynastie (die letzte Kaiserdynastie Chinas), ist ein Bekannter meiner Kollegin Jessie und so wurde der Hof extra für uns für ein kleines Bankett hergerichtet, was echt eine schöne Sache war. Hier ein paar Bilder:
Gestern waren wir abends Peking Ente essen, danach ging es zum Hou Hai See, wo wir auf der Dachterrasse noch einen Drink („One Night in Beijing“) zu uns genommen haben, ehe wir die arbeitsreiche Woche mit einer Fußmassage bei Liangzi (da, wo sich auch schon Jean-Claude van Damme hat massieren lassen) haben ausklingen lassen.
Guisi aus dem Headquarter in Stuttgart, Kenny aus dem Singapore Office und meine Wenigkeit auf der Dachterrasse des Lotus Blue.
Lang ist’s her. Und viel ist passiert. Zu viel, um die letzten beiden Wochen Revue passieren zu lassen. Daher beschränke ich mich auf mein bisheriges Highlight hier: Shanghai!
Da vergangenen Freitag die Auto Shanghai, Chinas größte Automesse eröffnet wurde, bin ich bereits am Dienstag mit meiner Kollegin Cherry nach Shanghai geflogen, um dort den Aufbau unseres Messestandes zu organisieren und betreuen. Juchhu, ab in den Süden, dachte ich mir. Doch nachdem wir bei Sonne und über 20 Grad in Peking den Flieger bestiegen hatten, verließen wir ihn in Shanghai zwei Stunden später bei strömenden Regen und Temperaturen um die 10 Grad wieder.
Der erste Eindruck von Asiens Boom-Metropole No.1 verschlechterte sich noch durch die 1,5 Stunden, die wir für ein Taxi anstehen mussten. Die Fahrt vom Hongqiao Airport im alten Stadtteil Puxi zu unserem Hotel im neuen Stadtteil Pudong dauerte dann auch noch mal über eine Stunde. Zwar ist Shanghai von der Fläche wesentlich kleiner als Peking, und es gibt dort auch – dank einer ca 5.000 Euro teuren Lizenz, die es zum Autokauf bedarf – viel weniger Fahrzeuge, aber dafür ist die Stadt wesentlich dichter bebaut und die Straßen sind weniger, schmaler und somit befahrener. Naja, wenigstens wird man von digitalen Verkehrsschildern aufgeklärt, wie die Stausituation innerhalb des nächsten Kilometers aussieht. Da die angezeigten Strassen komplett rot leuchteten, musste man sich zumindest keine falschen Illusionen machen, dass der Stau bald nachlassen würde.
Endlich im Hotel angekommen, ging es dann auch schon bald weiter zum nah gelegenen Messegelände. Dort durften wir dann erstmal feststellen, dass die Messebauer unsere überdimensionale und schweineteure China-Karte aus 8mm dicken Edelstahl (made in Germany) auf der falschen Höhe montiert war. Da ist mir dann erstmal das Herz in die Hose gerutscht, denn es blieben uns nur noch 24 Stunden, und ich war für den Stand unseres Departments verantwortlich, insbesondere die Produktion, den Transport und eben die Installation dieser verdammten Karte - eine organisatorische Höchstleistung.
Eine organisatorische Höchstleistung aus folgenden Gründen: in China, auch schon mal „Fabrik der Welt“ genannt, gibt es angeblich keine einzige Firma, die in der Lage ist, solch eine Karte aus Edelstahl „auszuschneiden“. In Deutschland hingegen sah man sich nicht in der Lage, chinesische Schriftzeichen zu drucken, mittels derer die Städte unserer Mercedes-Benz Dealer auf der Karte markiert werden sollten. D.h. zu Anfang musste man sich erstmal auf die Grenzlinien (inklusive Taiwan versteht sich) festlegen, diese dann nach Deutschland übermitteln, stets unter penibelster Berücksichtigung der Maße, denn schließlich mussten ja die Schriftzeichen passenderweise von einer Agentur hier in China - mit der zwecks Koordination auf englisch zu kommunizieren wieder eine ganz andere Geschichte war - produziert werden. Lange Rede, kurzer Sinn: Warum einfach, wenn es auch kompliziert geht….
Jedenfalls hing die Karte falsch, und eigentlich sollten nun die Städtenamen – Buchstabe für Buchstabe – aufgeklebt werden. Daneben sollte dann eine 3 mal 2 Meter große Liste sämtlicher Dealer installiert werden. Auch hier Buchstabe für Buchstabe. Um das ganze abzukürzen: wir haben es irgendwie hinbekommen. Aber die 24 Stunden durften wir dafür auch komplett durcharbeiten. Hier das Ergebnis:
Nachdem am Donnerstag die ganzen Proben durchlaufen waren, hab ich dann erstmals ein bisschen von Shanghai sehen können. War mit Ivy, einer Freundin aus Pekinger Tagen, die inzwischen in Shanghai lebt, essen und sie hat mir dann noch kurz den Bund, Shanghais Pendant zu Kölner Rheinpromenade (vereinfacht beschrieben) gezeigt. Allerdings war es dann schon kurz nach 23 Uhr und das Lichtspektakel, in dem Shanghai – allen voran der berühmte Fernsehturm - abends erstrahlt, war gerade erloschen. Da es Donnerstag endlich etwas wärmer war, hatte das ganze trotzdem was ganz nettes an sich.
Freitag war dann der große Tag: die Eröffnung der Auto Shanghai für die Kollegen von Presse, Funk und Fernsehen. Unsere Show wurde mit schwäbischer Perfektion durchgezogen, wenn auch verglichen mit den benachbarten Kollegen von Dodge, die die halbe Messehalle mit ihren Pyroeffekten zugenebelt hatten, etwas langweilig. Höhepunkt unserer Show war jedenfalls der taiwanesische Superstar Peter He (wer kennt ihn nicht!?), der die neue AMG [Anm.d.Red.: das Tuning Label von Mercedes] Kollektion vorgeführt bzw. eingeweiht hat. Meine sonst eher reservierten Kolleginnen waren jedenfalls begeistert, um nicht zu sagen: hysterisch!
Abends waren wir dann zu einem Essen mit David und Joyce von Mediaman, unserer Internet-Agentur in Shanghai, geladen. Es ging zum lecker Thailänder, wo man bei inzwischen richtig schön warmen Temperaturen im Garten nebst einem kleinen Teich sitzen konnte. Nach dem super Essen ging es weiter zum Shimao-Tower, wo wir in der Bar im 66.Stock noch einen Drink mit Wahsinnsblick auf’s nächtliche Shanghai genießen konnten.
In der Hinsicht hat mich Shanghai schwer beeindruckt. Es ist eine Mischung aus New York und Peking. Insbesondere im neuen Stadtteil Pundong, quasi der schääl Sick (da östlich des Huangpu Flusses) von Shanghai, reiht sich Wolkenkratzer an Wolkenkratzer. Neben dem berühmten Jinmao Hotel (421 Meter) entsteht auch gerade das höchste Gebäude der Welt, das Shanghai World Financial Center mit 492 Metern. David hat mir erzählt, dass der japanische Architekt erst ein gigantisches Loch im oberen Ende des Gebäudes geplant hatte. Da dieses Loch jedoch zu sehr an die Flagge des chinesischen Todfeindes (Japan) erinnerte, mussten die Pläne dann geändert werden.
In Pudong zeigt sich auch wunderbar das Ausmaß des chinesischen Aufschwungs. Dort wo sich heute ein zweites Manhattan befindet, war vor gut zehn Jahres nicht viel mehr, als Ackerland. In Pudong wurde derart viel gebaut, dass die Erde die Last nicht mehr tragen kann und jedes Jahr 1cm nachgibt. Geradezu exemplarisch für die geschundene Natur, die den rasanten Aufschwung Chinas nicht mehr mitmacht. Wobei, in Pudong hat man eigentlich nicht den Eindruck, in China zu sein. Alles ist neu, geordnet und sauber, überall gibt es großzügige Parkflächen zu bewundern, die Straßen werden von Blumenbeeten gesäumt und nachts sind sogar die Bäume beleuchtet. Man kommt sich eher vor wie in Disneyland.
Samstag war ich nur kurz auf der Messe. Bin danach noch mal mit Cherry zum Bund gefahren. Leider war an diesem Tag der Smog dermaßen übel, dass ich leider wieder keine besonders schönen Fotos machen konnte.
Abends stand mal wieder ein Business Dinner an. Waren mit unserem General Manager und den drei Regional Managern in einem schönen Restaurant, das sehr idyllisch in einem Park gelegen ist. Nach dem Essen ging es dann weiter zur Karaoke. Die Kolleginnen hatten uns inzwischen verlassen und so bin ich eine Erfahrung reicher geworden. Um es bin den Worten meines Abteilungsleiters zu sagen: „Come on, Yannick, you are doing business in China now“. Business in China heißt, dass wir in einen edel ausgestatteten Raum geführt, und dann, nachdem wir uns es gemütlich gemacht hatten, geschätzte 60 extrem gut und sexy aussehende Damen nach und nach vorgeführt wurden. Ich musste mir dann eine dieser Schönheiten aussuchen, und diese war dann für den Rest des Abends meine „Gesellschaftsdame“. Oh je, wohl hab ich mich damit ja nicht gefühlt. Insbesondere wenn neben einem die ganzen Vorgesetzten mit ihren Begleitungen sitzen. Naja, im Endeffekt war es jedoch harmlos. Die Mädels haben dafür gesorgt, dass man fleißig trinkt – immer schön auf ex – und mit steigendem Pegel hab ich dann zusammen mit meinem Boss einen Beatles-Song nach dem anderen gesungen – bis 3 Uhr morgens! Doing Business in China eben…
Sonntag. 7 Uhr. Aufstehen! Ihr könnt euch vorstellen, wie ich mich gefühlt habe. Und dann war auch noch der erste öffentliche Tag der Messe. Trotz strömenden Regen, tummelten sich derartige Menschenmassen durch die Messehallen, dass man die Autos überhaupt nicht mehr sehen konnte. Wenn man mal auf Toilette musste, durfte man sich erstmal 15 Minuten bis zu eben diesen durch die Massen kämpfen, um dann dort noch mal 15 Minuten anzustehen. Sonst habe ich eigentlich nur lächelnd neben den Autos rumgestanden, musste das ein oder andere Mal als blonder Europäer für ein Erinnerungsfoto neben einer chinesischen Ehefrau posieren, und habe die Minuten gezählt, bis es endlich 19 Uhr sind. Abends bin ich dann noch mal mit Ivy essen gewesen und heute dann nach dem traumhaften europäischen Frühstuck mit Käse, Croissants und derartigen Seltenheiten zurück nach Peking geflogen. Netterweise musste ich danach nicht noch ins Büro, sondern sitze jetzt zu Hause und freue mich, gleich ins Bett gehen zu können. Denn Zeit zur Erholung nach dieser anstrengenden Woche bleibt mir leider nicht viel. Morgen geht es normal weiter und da nächste Woche die 5-tägigen Golden Week Ferien anfangen, müssen wir nach chinesischer Tradition auch noch das kommende Wochenende durcharbeiten.